Mittwoch, 18. September 2013

Marcel Reich-Ranicki ist tot - Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben



Marcel Reich-Ranicki ist tot

„Mit Bestürzung haben wir heute vom Tod Marcel Reich-Ranickis erfahren. Er starb in Frankfurt am Main im Alter von 93 Jahren. Mit ihm verliert die Deutsche Verlags-Anstalt einen ihrer herausragendsten Autoren. Wichtiger noch: Die Welt der Literatur verliert den bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker und Vermittler von Literatur nach 1945. Marcel Reich-Ranicki hat wie kein anderer mit Witz, mit Schärfe, mit Sinn für klare Urteile der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur zu breiter Beachtung verholfen. Dass er sich entschied, nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Deutschland zu leben und zu wirken, ist ein außergewöhnliches Geschenk. Seine Autobiographie ‚Mein Leben‘ wird auch in Zukunft als großes, berührendes literarisches Werk gelesen werden.“
Thomas Rathnow, Verlagsleiter Deutsche Verlags-Anstalt
 (Pressemitteilung)




Quelle: DVA / Random House

„Auf die Gefahr hin, der Anmaßung bezichtigt zu werden, will ich hier doch sagen, wovon ich überzeugt bin: Die Literatur ist mein Lebensgefühl. Das lassen, glaube ich, alle meine Ansichten und Urteile über Schriftsteller und Bücher erkennen..“

Niemals möchten wir diesen Worten unseres großen deutschen Literaturkritikers  widersprechen. Es gibt wohl keinen zweiten Menschen, der wie er ein Leben lang durch sein Gefühl eine ganze Literatur-Ära geprägt und mitgestaltet hat. Er war eine ausgefallene Persönlichkeit mit der Fähigkeit umwerfend klare Ansichten mitzuteilen. Durch sein Wesen und seine Expertise wurde er zum Idol und brachte uns trotz seiner herrisch präsentierten Literaturmeinung das eigene Denken wieder nahe. Heute prägen  Kollektivmeinungen die Leselandschaft, denen Leserscharen blind hinterherlaufen und Literatur taucht nur noch auf Long- und Shortlists des Deutschen Buchpreises auf.
Kontroverse und unterhaltsame Diskussionen um Literatur, wie wir sie in Spitzenzeiten des Literarischen Quartetts erleben durften, fehlen mir schon lange.
Mit seinem Tod verlieren wir Deutschen unseren wichtigsten und einflussreichsten Literaturkritiker nun endgültig. Doch wir bewahren, was er uns hinterlassen hat.

Marcel Reich-Ranicki sagte einmal in der Literatur gibt es nur zwei Themen, die Liebe und den Tod, alles andere sei Mumpitz.
In seinem eigenen Buch mit dem Titel: „Mein Leben“ erzählt er aus seiner persönlichen Lebensgeschichte. Die Zeit im Warschauer Getto hat ihn niemals mehr losgelassen – Liebe und Tod waren hautnah mit dabei.

Sein biografischer Roman ist für mich eines der wichtigsten zeitgenössischen Bücher in meinem Bücherregal. Seine Erlebnisse in Zeiten der Unterdrückung und Todesangst führen uns in eine Welt, die wir heute immer mehr und mehr vergessen oder verdrängen und vielen jetzt schon unwahrscheinlicher als freies W-Lan auf dem Jupiter, erscheint. Doch eben diese grauenvollen Erfahrungen aus der NS-Zeit gehören zu unserer gemeinsamen Geschichte und in das Bewusstsein jedes Einzelnen. Marcel Reich-Ranickis Buch macht uns Leser zwar betroffen, aber auch reicher, dankbarer und lebensfroher.

Lieber Marcel Reich-Ranicki ich bedanke mich für Dein Buch und Dein Lebenswerk und wünsche Dir Ruhe und Frieden.

Caroline Schultz







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