Sonntag, 30. Dezember 2018

Mein Bücherjahr 2018 - Highligts und was so war..



Im Moment sehe ich vielerorts Zusammenfassungen über die persönlich besten Bücher des Jahres 2018. Eine schöne Idee das Bücher-Jahr so abzuschließen. Für mich waren die Weihnachtstage ja leider vor allem durch Mandelentzündung und Erkältungskrankheit geprägt, so dass ich da nur wenig Literarisches von mir geben konnte. Noch eine Grund mehr also, um diesen Trend einer Bücher- Summary 2018 aufzugreifen und ein bis zwei Sätze zu jedem Buch zu sagen








Beim Zusammensuchen meiner Bücher ist mir aufgefallen, dass noch ein paar Exemplare im Freundeskreis verliehen sind, andere habe ich auf dem E-reader (meinem liebsten Tolino) gelesen.
Wundert euch also nicht, wenn das Foto etwas schlanker aussieht, als der nachstehende Text.

Rattatam mein Herz - Franziska Seybold ❤

Humorvoll, aufschlussreich und mutig geschriebene Selbsterfahrungs-Erzählung zum Thema Angststörung.

Zeugin der Toten - Elisabeth Herrmann ❤

Deutsche Vergangenheit, Agenten und eine mit allen Wassern gewaschene Tatort-Cleanerin.

Stimme der Toten - Elisabeth Herrmann ❤

Fortsetzung mit der Cleanerin Judith Kepler. Klärt einen Mord und die Verwicklungen in ihrer Vergangenheit.

Die Geschichte des verlorenen Kindes - Elena Ferrante

Der letzte Band der Saga lässt mich mit Fragezeichen im Bauch zurück. Insgesamt sind die Bücher wunderbare Zeitpanoramen und voller italienischer Momente, die ich sehr genossen habe. Band vier ist jedoch wie Italien selber: Alles bröckelt, voller Mafia und politischer Unordnung. Der Verlust des Kindes lässt Lina fast zerbrechen, ihre Freundin Lena lebt ihr Leben für mein Empfinden eigenartig unempathisch und ich-zentriert weiter.

Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

Ein interessantes Thema: Die Story hat neben ihren Stärken leider viele Schwächen und viel bei mir teilweise und bei meinen Lesekreis-Damen vollständig durch.

Frauen dürfen hier nicht träumen - Rana Ahmad ❤

Ein biographischer Roman über die Flucht aus dem Gottesstaat, der sehr erhellend Einblick in die Welt der Frau in Saudi Arabien gibt. Ein wichtiges Buch, dass nebenbei bemerkt auch sehr spannend war.

Die Physiker - Dürrenmatt

Klassiker über drei Physiker in einer Irrenanstalt. Anregend für eigene Gedankengänge.

Curtis Sittenfeld - Vermählung

Nacherzählung von Jane Austens berühmten ''Stolz und Vorurteil' in ein modernes amerikanisches Setting eingebettet. Unterhaltsam und modern.

Mama Tandoori - Ernest van der Kwast 

Humorvoll, übertrieben ebenso wie still und ernst. Volks- und Kultur-übergreifende Holländisch-Indische Geschichte. Vielleicht nehme ich mir als nächstes mal "Die Eismacher" oder "Vier Viertelstunden bis zum Meer" vor, denn der Autor hat eine schöne Sprache.

Genki Kawamura - Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Einem todkranken Postboten erscheint der Teufel. Kurzweilige Parabel um die waren Werte im Leben.

Leon und Louise - Alex Capus ❤

Mein Großvater mütterlicherseits hatte beide Weltkriege (als Soldat) miterlebt. Eine Epoche die uns bis heute beeinflusst und in Erinnerung bleiben muss. So griff ich zu diesem Roman, der so schön die Liebe zwischen zwei Kriegen in Frankreich erzählt, aber auch Ängste, Überlebenskampf und die Besatzungszeit vor das innere Auge holt.

Die sieben Schwestern - Lucinda Riley

Ja ich geb zu, manchmal lese ich auch leichte Kost. Für die Urlaubsliege war es die passende Entspannung. Es steht viel drin und ist gut erzählt; trotzdem rauf- und runter muss ich ihre Bücher jetzt nicht lesen. Kann jeder halten wie er will.

Die Ermordung des Commendatore - Haruki Murakami

Ich habe erst drei Bücher von Haruki Murakami gelesen und bin bestimmt keine Kennerin seines Gesamtwerkes, doch ich höre immer wieder Stimmen, dass seine älteren Werke die besseren sind. "Eine Idee erscheint" ist der erste Teil der Reihe "Die Ermordung des Commendatore". Eine vor sich hin plätschernde Geschichte um einen Porträtmaler in den Bergen Japans und einen eigenartigen sehr wohlhabenden Auftraggeber. Ich mag den entspannten Erzählstil und die ruhige Genauigkeit mit der alles beschrieben wird. Für mich war es ein langsames Buch, ich konnte es nicht schnell lesen und teilweise hat mir der mystische, Fantasy-Anteil in dem Roman nicht so gut gefallen. Am Ende spitzt sich jedoch alles zu, so dass ich eigentlich wissen möchte, wie es in Band 2 nun weitergeht!? Ich muss noch eine Weilchen darüber nachdenken ob ich weiterlese..

Der nasse Fisch - Volker Kutscher

Ganz anders als die TV Serie Babylon Berlin. Gereon Rath ist nicht so drastisch traumatisiert und auch wesentlich robuster als in der Serie. Berlin in den Zwanzigern wird lebendig. 

Leere Herzen - Juli Zeh ❤

Visionärer Roman über die nahe Zukunft und desillusionierte Menschen darin. Überraschend und sehr spannend.

Neujahr - Juli Zeh ❤

Roman über einen Mann, seine Familie, sein Rollenbild und seine prägende Vergangenheit.
Kompakt und mitreißend. Spielt auf Lanzarote.

Unterleuten - Juli Zeh ❤

Roman über ein brandenburgisches Dorf, das friedlicher wirkt als es ist. Großartig aus wechselnden Perspektiven erzählt. Enthüllt menschliche Abgründe.

Die Erfindung der Flügel - Sue Monk Kidd

Eine runde Geschichte über den Kampf gegen die Sklaverei und die Unterdrückung der Frauen in Charleston in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Alles beginnt damit, dass die Gutsbesitzer-Tochter Sarah zu ihrem 11. Geburtstag ein Sklavenmädchen als persönliche Dienstmagd geschenkt bekommt. Sarahs Versuche Hetty (Handful) die Freiheit zu schenken, werden von den Eltern verhindert, doch zumindest kann sie ihr heimlich das Lesen beibringen. Gut recherchiert und fundiert erzählt. 


#Currently reading: Der Trafikant - Robert Seethaler ❤

Ein Junge vom Attersee lernt bei einem Zeitungsverkäufer im Wien der 1930er Jahre. Dabei begegnet ihm Professor Sigmund Freud und er macht die ersten Erfahrungen in der Liebe.


Das war sie die Summary für 2018 - danke fürs vorbeikommen und reinlesen! Ich freue mich auf euch im neuen Jahr.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein gesundes und glückliches Jahr 2019 !!

Beste Grüße,

Caroline














Mittwoch, 26. Dezember 2018

Juli Zeh - Neujahr und Unterleuten - im Doppelpack

(c) Luchterhand




Ich kann dieses Jahr nicht verstreichen lassen, ohne ein paar Worte über die Bücher von Juli Zeh zu verlieren, denn die Lektüre ihrer Romane ist ein bisschen so, wie eine neue Brille aufzusetzen, mit der man dann endlich alles richtig scharf sehen kann! Und was gibt es zu sehen? Eine Menge, soviel steht fest: Ihre Ideen sind abgedreht, ihre Bücher voller Überraschungen und stichhaltiger Tatsachen, voller echter Menschen und deren Abgründe.
Sie seziert die Dilemma der Gesellschaft und baut daraus Geschichten zusammen, in denen man sich wiederfindet und auch wieder nicht. Ich war sehr erfreut und finde es super verdient, dass sie nun vor ein paar Tagen zur ehrenamtlichen Verfassungsrichterin in Brandenburg berufen wurde. Eine bessere Besetzung, als einen derart klarsichtigen Menschen, wie Juli Zeh kann es für dieses Amt kaum geben. Ihr merkt schon ich bin ein Fan und wiederhole mich da ein bisschen... Weil ich erst kürzlich über 'Leere Herzen' geschrieben habe, sollt ihr nun meine kurzen Zusammenfassungen zu ihrem aktuellen Buch: "Neujahr" und dem etwas länger bekannten "Unterleuten" lesen dürfen. 



Neujahr




Als Henning den Jahreswechsel mit seiner Familie, auf Lanzarote verbringen will, scheint es zunächst ein ganz normaler Familienurlaub zu werden. Die noch sehr kleinen Kinder fordern ihre Eltern aufs Äußerste und Silvester wird dementsprechend verhalten gefeiert. Ein gemeinsames Glas Rotwein kann die Atmosphäre nicht mehr retten, welche durch diverse Kontroversen schon den Bach runter ist. Am nächsten Tag - Neujahr - steigt Henning schon sehr früh aufs Rad, um die Insel zu erkunden. Vielleicht ist der Wunsch der Situation zu entkommen so groß, dass er Wasser und Proviant vergisst, um mit seinem nicht ganz geeigneten Tourenrad eine weite Strecke bis zur Spitze des Berges zu bewältigen. Mit der Rotation der Pedale, rotieren auch Hennings Gedanken. Er denkt an das Arbeitspensum, dass so groß ist, dass er es kaum packen kann, wenn er den Job mit den erwartbaren familiären und persönlichen Anforderungen in Einklang bringen will. Doch mit jedem Meter Steigung und jeder Kurve wird klar, seine Sorgen gehen weit darüber hinaus. Frust und Zorn kommen an die Oberfläche, seltsame Gedankenbilder überfallen ihn unterwegs. Als er oben auf dem Gipfel angelangt ist, erlebt er eine tiefgreifende Überraschung, die so nicht vorherzusehen war. Es ist leider unmöglich mehr von der Geschichte zu verraten, ohne die Lesefreude zu verderben. Der Roman ist sehr kurz, aber auch sehr prägnant und die Geschehnisse sind folgenreich für Henning. Empfehlung!




Unterleuten

(c) btb Verlag

Meine Tante schickte mir diesen Roman zum Geburtstag und in ihrer Grußkarte schrieb sie in nachdrücklichen Worten: "Dieser Roman will unbedingt gelesen werden! Es ist wichtig, dass du dieses Buch auf jeden Fall liest. Falls du es schon kennst, dann gibt das Buch bitte weiter, damit es jemand anderes lesen kann." Was mag sich schon hinter so einem schlichten weißen Buchdeckel mit einer kümmerlichen Vogel-Kreatur darauf verbergen?

Eine vielschichtige und spannende Dorfgeschichte aus dem Dorf Unterleuten. Eine ländliche Idylle vor den Toren Berlins, oder doch ein übler Ort, an dem so manches faul ist?

Das Buch ist bereits 2010 entstanden und betrachtet Wende, Infrastrukturentwicklung, gesellschaftliche Umbrüche einmal aus der Perspektive einer Dorfgemeinschaft. Die Autorin wechselt mit jedem Abschnitt die erzählenden Person und so erlebt der Leser die Geschichte durch viele Augen: Die der Vogelschützter, Automechaniker, Bürgermeister, Neubürgerinnen und Neubürger, Alteingesessenen, Ehefrauen usw. Jeder Blickwinkel ist anders und jeder beharrt auf seiner richtigen Wahrnehmung. Die Antwort darauf was wahr ist und was nicht, das bleibt an vielen Stellen offen. Die Wahrheit liegt oftmals im Auge des Betrachters. Die Geschichte um den Bau eines Windparks und die mutmaßlichen Gewinner dieser Aktion spitzt sich dramatisch zu, bis es zu einem tragischen und perfiden Ende kommt.. 
Das Buch ist mit viel Kenntnisreichtum und Sorgfalt geschrieben und darüber hinaus wirklich spannend. Ein paar kleine characterbezogene Wendungen kaufe ich ihr bei 1-2 Figuren nicht ab, dass ist aber vor allem Geschmackssache. Letztendlich ist die Geschichte genau so grotesk und genau so spannend wie sie sein sollte, um ein geniales Buch zu sein.
Vermutlich steht es bereits bei dem einen oder anderem im Bücherregal, oder liegt noch auf dem einen oder anderen 'Stapel ungelesener Bücher'. Ein kluges und bereicherndes Buch, das ich hiermit unbedingt empfehlen möchte. 

Blaues Sofa - Special von der Frankfurter Buchmesse 2018 - Michelle Hunziker


Michelle Hunziker bekannt als Moderatorin, Model, Mutter, und Exfrau des italienischen Schmusesängers Eros Ramazotti. Michelle Hunziker ist eine vielseitige Persönlichkeit, jeder kennt die schöne Schweizerin zumindest aus einigen Folgen der deutschen Fernsehshow "Wetten Dass" mit Thomas Gottschalk!!
Als Buchautorin ist sie nun ganz neu im Geschäft und war in Frankfurt auf dem blauen Sofa: Ihre Geschichte verdient es erzählt zu werden. 

Viele Menschen sehen im TV genauso aus wie im Fernsehen, bei Michelle Hunziker hatte ich den Eindruck, dass sie live einfach noch hübscher und strahlender wirkt, als auf den Titeln der Hochglanzmagazine oder vor der Fernsehkamera.
Vielleicht lag ihre ungeheure Ausstrahlung aber auch an der Leidenschaft, mit der sie ihre Geschichte - ihr Buch "Ein scheinbar perfektes Leben" auf dem Blauen Sofa, im Gespräch mit Matthias Hügle, präsentierte.

Michelle Hunziker spricht über ihre Kindheit und ihrem alkoholsüchtigen Vater, der ihr oft wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde vorkam. Sie erzählt geradeheraus, wie sich als Kind abgelehnt und ungeliebt fühlte, da sie ihren Vater nicht vom Trinken fernhalten konnte. Die mit der Alkoholsucht des Vaters, belastete Mutter, musste viel Arbeiten und für alles allein sorgen. 

Die Wunden, welche Michelle Hunziker als Kind entstanden sind, haben sie später eingeholt. Sie versuchte ihre Kindheitstrauma unter den Teppich zu kehren, doch als 21-jährige Frau ging es ihr dabei nicht mehr gut. Das war genau der Moment, als eine Frau  auf der Bildfläche erschien und ihr vormachte für sie da zu sein. Systematisch gewann diese Frau das Vertrauen der jungen Michelle Hunziker, nutzte ihre Schwächen aus und trennte sie immer mehr von ihrer Familie. Michelle Hunziker wurde systematisch eingefangen und die anfängliche 'Prana Therapie' wurde ausgeweitet, wie zu einem Glauben. Ein ganzes Netzwerk von Menschen kontrollierte nach und nach, Michelles Leben in immer größer werdendem Ausmaß. Die Geschichte dauerte fünf Jahre und die Personen innerhalb dieser Sekte wurden dann von ihr auch (als Angestellte ihrer Agentur) bezahlt. Sie nahmen ihr Geld und kontrollierten sie vollständig. Michelle Hunziker hatte nicht einmal mehr Gewalt über die Nachrichten auf ihrem Handy. Besonders bitter war, ihre Mutter konnte keinen Kontakt mehr zu Michelle herstellen, so dass sie selbst den Eindruck bekam, dass ihre Familie sich abgewendet hatte.  Den Auslöser zu einer Abkehr von den falschen Freunden und einer Flucht aus dieser Sekte gab ihre eigene Tochter. Das Buch handelt davon, wie sich sich mit Hilfe ihrer Tochter, einer Helferin und der Rückkehr zu ihrer wirklichen Familie aus der Sekte lösen konnte. 
(c) Caroline Schultz
(c) Caroline Schultz

(c) Caroline Schultz







Heute unterstützt die Moderatorin nach eigener Aussage, andere Menschen, die in Italien zu Sektenopfern wurden und aussteigen möchten.




Gebundes Buch
Lübbe Verlag
20 Euro

Sonntag, 21. Oktober 2018

Fotostrecke 1 Frankfurter Buchmesse 2018 -- Beyond Words -- #fbm18

Baum am Bastei Lübbe Stand

Dennis Scheck bei seiner Buchauswahl (Die Wurzeln der Welt / Hanser) Best of Druckfrisch von der FBM18

Neu: Frankfurt Pavillion

Kreativer Luftballonkaktus

Autor: Wladimir Kaminer mit Kuchen bei Random House



Noch mehr Kaktus

Tolles Buch: Neujahr von Juli Zeh

Gourmet Gallery: Präsentation - Küche aus Martinique

Gourmet Gallery: Präsentation - Küche aus Martinique

Next125 Stand: Kilian Stauss

Perspektiven für den Lebensraum Küche / DVA

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Leere Herzen - Juli Zeh -- Das geht unter die Haut!

Caroline Schultz

Juli Zeh hat eine besondere Begabung dafür, Bücher zu schreiben, die erstens völlig überraschen und zweitens fesselnd und spannend bis zur letzten Seite sind. Dabei hat jedes ihrerer Werke eine ganz eigene Daseinsberechtigung, obwohl sie alle untrennbar mit unserer Gesellschaft und der Rolle der Menschen darin verbunden sind.

Inhalt
In "Leere Herzen" geht es um eine fiktive nahe Zukkunft im Jahr 2025. Angela Merkel ist längst nicht mehr im Amt, Donald Trump hingegen ist unvermutet Retter auf internationalem Parkett. Das Besorgte-Bürger-Bündnis schafft nach und nach jegliche Form von Mitbestimmung und Demokratie ab, und so geht es weiter... In dieser Gesellschaft hat sich die völlig desillusionierte und pragmatische Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi erfolgreich eingerichtet. Die ausgebildete Heilpraktikerin ist mit Richard verheiratet, Mutter einer Tochter und bietet in ihrem Therapiezentrum "Die Brücke" eine besondere Form der Behandlung an. Doch niemand ahnt, was hinter dieser Fassade wirklich geschieht. Tatsächlich betreiben Babak und Britta ein lukratives und gefährliches Geschäft mit dem Tod. Ehemann Richard ist mit seinen Geschäften wenig erfolgreich, so dass er auf Britta, die für das Familieneinkommen sorgt, angewiesen ist. Eines Tages geschieht das unvermeidliche, "Die Brücke" bekommt unliebsame Konkurrenz und schließlich geraten Babak, Britta und ihre Familie in Lebensgefahr. 


Ich möchte hier lieber nicht mehr verraten, denn ich finde diese Buch liest sich am besten, wenn man es ein wenig unbedarft und ohne große Erwartungen in die Hand nimmt. Dann findet man auf jeder Seite Anspielungen und prägnante Sätze die allzu treffend sind für die momentane gesellschaftliche Situation und den Weg den wir scheinbar eingeschlagen haben. Juli Zeh ersinnt eine Dystopie, die erschreckenderweise überhaupt nicht absurd, sondern völlig nachvollziehbar und denkbar ist. Trotzdem bleibt sie jederzeit klar in ihrer Haltung und appelliert mit dem Roman vor allem an unsere eigene politische Verantwortung. Was ist uns unsere Demokratie wert, was sind ihre Grundpfeiler und wie können wir diese schützen? Bestimmt nicht, in dem Menschen aus Desinteresse den Wahllokalen fernbleiben. Der Buchtitel "Leere Herzen" hat in der Geschichte einen konkreten Bezug zur Handlung, dient aber gleichzeitig als Metapher für eine deutsche Gesellschaft voller gleichgültiger, leidenschaftsloser und oberflächlicher Menschen. 


Es mag Stimmen geben, die sagen, dass andere Bücher von Juli Zeh besser gefallen; Ich mag bisher jedes ihrer Bücher sehr und finde, dass jedes Einzelne eine eigene Aufgabe hat und für sich allein sprechen kann und wie der Volksmund so schön sagt, man kann Äpfel nicht mit Birnen verglichen. (z. B. auch das hier: Nullzeit)

Fazit
Ein Buch das ich hiermit vollständig und nachdrücklich empfehlen möchte.

Am besten direkt loslesen, denn es gibt schon wieder einen neuen Juli Zeh Roman (Neujahr) der ebenfalls lesenswert ist. 

Schöne Grüße aus dem Lesesessel

Caroline



Montag, 15. Oktober 2018

Special One - Frankfurter Buchmesse 2018
-- Babylon Berlin -- oder "Der nasse Fisch"

Caroline Schultz

Zeitreise nach Berlin
Berlin im Jahr 1929 ist ebenso golden, wie verrucht und verbrecherisch: Die Epoche der Weimarer Republik ist eine Zeit der politischen und sozialen Schwierigkeiten. Kriegstrauma und Armut in der Bevölkerung stehen in scharfem Kontrast zu Freizügigkeit, Glanz und Lebensfreude. Ein Hintergrund der sich bestens für eine gelungene Kriminalgeschichte aus der Feder von Volker Kutscher eignete, der 2007 seinen Roman "Der nasse Fisch" (bei KiWi) veröffentlichte. Das Buch ist seit Jahren ein Dauerbrenner, so dass Filmemacher Tom Tykwer nicht daran vorbeikam und mit seinen Kollegen Achim von Borries und Hendrik Handloegteneine außergewöhnliche, absolut sehenswerte und spannende Serie hieraus schuf. Nachdem "Babylon Berlin" bereits im Pay-TV die Zuschauer gebannt vor dem Fernseher fesselte, ist die Serie aktuell in der ARD und der ARD Mediathek zu sehen.

Frankfurter Buchmesse 2018 - BABYLON BERLIN
Der Publikumsandrang war dementsprechend groß, und ich sehr froh einen guten Platz ergattert zu haben, als Autor Volker Kutscher am Donnerstagmittag dann zum Podiumsgespräch mit Bärbel Schäfer auf der ARD Bühne der Frankfurter Buchmesse erschien.



Autor Volker Kutscher auf der ARD Bühne FBM18
Der sympathische Rheinländer stellte sich den Fragen der Moderatorin hinsichtlich seines Arbeitsstils und sagte, dass er gerne etwas Druck zum Schreiben hat: "Es ist gut wenn einem der Lektor schon ein bisschen im Nacken sitzt, etwas Zeitdruck muss sein."

Seine Romane sind alle detailreich was Bärbel Schäfer als Grund anführt, um Volker Kutscher zu fragen, wo er die Zeit beim Schreiben verliert? Ist es die Recherche? Oder anderswo?
Kutscher erklärt, dass er die meiste Zeit für den Anfang braucht, da er nur sehr grob "plottet" und dann noch vieles neu ist.
Seine Figuren bekommen erst während des Schreibens ihre genauen Konturen.
Per Bauchentscheidung ändert er z. B. Namen, probiert aus und entscheidet dann.
Er hat eine grobe Vorstellung, wie jemand sein soll, aber die Feinheiten kommen erst während des Schreibens. Kutscher sagt: "Ich brauche für die erste Hälfte eines Romans immer länger als für die Zweite!"

...seine Romane machen süchtig
Bärbel Schäfer spricht aus, was alle denken: Babylon Berlin macht süchtig und Volker Kutscher muss seine Leser mit weiterem Stoff versorgen. Wie sieht es da aus?
Das Zeitfenster der 20er Jahre ist begrenzt, wie geht es da weiter, wenn es pro Jahr einen Roman gibt?
Volker Kutscher verweist darauf, dass es sich um eine Reihe handelt, die noch nicht abgeschlossen ist. Kutscher sagt: "Es kommen noch zwei bis drei Bände - Es geht weiter, ich habe vor, noch bis ins Jahr 1938 hinein zu schreiben. Ich möchte es nicht endlos betreiben, aber das ist für mich ein historischer Punkt mit der so genannten Reichskristallnacht bzw. Novemberpogrom, wo für mich diese Geschichte abgeschlossen ist. Da ist das 'Dritte Reich' schon duster und die Dinge die noch kommen sollen... die noch viel grausameren und dusteren Dinge wie der Krieg und der Holocaust"
"Was für mich entscheidend war und der Antrieb war und immer noch ist, das ist, neben der Faszination für die 20er und für die Offenheit dieser Gesellschaft, mit dieser Experimentierfreudigkeit, die ganz einfache Frage, die mich als Historiker und Demokrat und Mensch beschäftigt; Wie konnte das passieren in Deutschland?"

Wie konnte aus der Weimarer Republik - die in meinen Augen - so schlecht gar nicht war das 'Dritte Reich' entstehen? Es gab Dinge die nicht glücklich liefen, aber sie hätte unter ein bisschen anderen Umständen eine Chance gehabt. Doch aus dieser Demokratie ist ziemlich schnell die schlimmste Diktatur geworden, die wir jemals auf deutschem Boden hatten. Diese Frage kann man historisch beantworten... aber für mich wurde die Frage "Warum" nie endgültig geklärt. Das "Warum" wurde nicht aufgelöst und ich glaube, dass man solchen Fragen durch die Fiktion viel viel näher kommen kann, selbst wenn Fiktion Personen erfindet, die es nie gegeben hat und die Dinge tun, die so nicht passiert sind. Aber ich versuche in die Köpfe hineinzugucken dieser Zeitgenossen. 

Bärbel Schäfer fragt nach, wie Volker Kutscher die Figuren findet, die seine Leser durch das jeweilige Jahr leiten.

Volker Kutscher: "Ja, wie finde ich Figuren? Ich versuche die Figuren so zu gestalten, dass ich sie auch spannend finde und was ich persönlich z. B. überhaupt gar nicht mag sind Helden, die alles können, denen alles gelingt, deren einziger Fehler es ist, dass ihnen zu viele Frauen nachlaufen. Das finde ich albern."

Bärbel Schäfer: "Gereon Rath der Rheinländer kommt nach Berlin in diese lebendige und experimentierfreudige Stadt. Es ist ein politisch spannende Zeit. In der Verfilmung gibt es einige neue Verästelungen: Beschreiben sie uns Gereon Rath!

Volker Kutscher: "Was mir wichtig war, er kommt deswegen aus dem Rheinland, weil ich wollte keinen Berliner! Ich wollte jemanden, der von außen auf diese Welt schaut, etwas fremdelt. Auch mit seinem Vornamen Gereon, der stigmatisiert ihn dauernd. Keiner kennt diesen Namen und daher wird er auch dauernd falsch angeredet. Er ist im Roman nicht ganz so extrem Kriegs-traumatisiert wie im Film. Wobei, ich die Entscheidung den ersten Weltkrieg direkt mit in die Handlung reinzuholen gut verstehe. Man war damals in der Nachkriegszeit, die Kriegsinvaliden waren überall präsent. Vom Charakter her, ist Gereon ein bisschen rheinisch, definitiv, in dem Sinne, dass er versucht sich durchzuwurschteln, was wichtig wird, wenn wir mit ihm ins Dritte Reich hineingehen. 
Weil er sich einredet ""ich bin Mordermittler und das ist jetzt nichts politisches und es ist jetzt egal wer Polizeipräsident ist, Sozialdemokrat oder Nationalsozialist. Ich mach den selben Job, was solls, ich werde schon durchkommen."" Das ist natürlich ein Trugschluss, das merkt er nach und nach. Das war mir wichtig, dass er nicht sofort politisch durchblickend ist. Er sieht sich bewusst als unpolitisch und ist charakterlich nicht ganz koscher, weil er es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nimmt. Er kann auch ein richtiges Arschloch sein, auch gegenüber Kollegen und auch gegenüber Charlotte Ritter, seiner großen Liebe. Für mich war es wichtig ihn so darzustellen, dass man ihn dennoch mag und mitfiebert, was ihm so widerfährt. Meist schadet er sich mit seinen negativen Charaktereigenschaften selbst viel mehr, als irgendwelchen anderen Leuten."
Schmuckausgabe Babylon Berlin

Bärbel Schäfer bestätigt, dass es definitiv gelingt, dass wir mit Gereon mitfiebern und das wir mit auf die Reise gehen in dieses Berlin und mit seinen Augen sehen. Das sehen, was diese vibrierende Hauptstadt so ausmacht, politisch und auch was das Nachtleben so hergibt. Wie gelingt nun das Loslassen, als klar war das dieses Buch nun verfilmt wird?

Volker Kutscher: "Ich habe schon früh losgelassen, gleich nach dem ersten Gespräch, dass ich mit Tom Tykwer hatte, weil es direkt um Inhalte ging und Tom vor Ideen sprudelte z. B. die Szene am Paternoster, wo Charlotte und Gereon sich kennenlernen. Ich war mir sicher, da ich alle drei Drehbuchautoren und Regisseure sehr schätze, dass meine Geschichte in guten Händen ist. Ich wollte sie in ihrer Vision, die sie hatten nicht stören. Mein Wunsch war, dass sie dem Grundthema treu bleiben."
Es ging darum die Perspektive einzuhalten, denn 1929 konnte sich niemand vorstellen was passieren würde. Das war lachhaft, nicht einmal die meisten Nazis haben daran geglaubt. 
Das darzustellen, dass Zukunft immer offen ist, auch für die damaligen Zeitgenossen, dass haben sie sehr gut hinbekommen. Ich möchte meine Leserschaft in die Bücher hineinziehen, in meine Welt hineinziehen, damit man sich dort zu Hause fühlt. Sich mit den Figuren anfreundet, selbst mit Gereon, der manchmal ein Arschloch ist.
Und das haben die drei Regisseure mit filmischen Mitteln so vortrefflich gut geschafft, man wird hineingezogen in diese Welt.
(...)

Zum Schluss kann noch zusammengefasst werden, dass die Serie auch international ein Erfolg ist, es wurde nur auf deutsch gedreht, aber auch das funktioniert im Ausland. Das ist deshalb erfreulich, denn das Thema ist ja nicht nur ein deutsches, sondern das Thema ist ein internationales, betont Volker Kutscher, denn es zeigt letzen Endes die Fragilität der Demokratie!



Babylon Berlin Filmclip box
Als Fun Factor zum Thema Babylon Berlin gab es noch ein Film Box, darin konnte jeder Interessierte seine schauspielerischen Qualititäten beweisen und für wenige Sekunden Teil des Babylon Berlin Trailers werden: 
Klickt unten und seht selbst, wie gut ich in die Serie passe ....(zwinker)


















Sonntag, 7. Oktober 2018

NEUZUGANG.... und schon mal reingelesen!! - Timur Vermes - Die Hungrigen und die Satten

Timur Vermes - Die Hungrigen und die Satten (Erster Eindruck)


Vielleicht ist es ein Vorteil, dass ich "Er ist wieder da" niemals gelesen, gehört oder als Film gesehen habe. Ich war mir nie sicher, ob das so meine Art von Humor ist. Vielleicht waren mir andere Bücher auch immer wichtiger. Trotz dieser Unkenntnis erhielt ich vor kurzem ein Rezensionsexemplar des neuen Timur Vermes Romans - Die Hungrigen und die Satten!

Zögerlich steckte ich also meinen Kopf in dieses neue Buch mit dem eigenartigen Titel und dem kühlen Äußeren. Schon nach ein paar Kapiteln bin ich gepackt und überrumpelt von dem "Film", der nun in meinem Kopf abläuft! Ich bin gefesselt von der satten farbigen Sprache und der wahnwitzigen und feingeschliffenen Satire und frage mich wohin das alles führen wird...

Zum Inhalt
Europa hat sich abgeschottet, die Grenzen verlaufen mittlerweile jenseits der Sahara, so dass kein Flüchtling jemals eine Chance hat das Mittelmeer zu erreichen. An dieser Grenze befindet sich das größte Flüchtlingslager der Welt; eine Zeltstadt so ausgedehnt wie eine europäische Hauptstadt! Hier beginnt die Geschichte mit dem Flüchtling der neue Schuhe hat und jede Menge Zeit, so dass er eigentlich nach Europa laufen könnte, wäre die Sahara nicht..

Weiter geht es mit einem in der Sommerpause gelangweilten Staatssekretär, dem sein Privatleben zwischen Küchenplanung und homoxexuellem Beziehungsleben mehr abverlangt, als seine aktuelle Regierungsarbeit. Wobei 'Whats Appen' im Plenarsaal sicher nicht als Regierungsarbeit gilt.
Danach geht es ohne nennenswerte Überleitung zu einer Dame namens Nadesch Hackenbusch, eine Moderatorin bekannt für ihre Fernsehsendungen aus deutschen Flüchtlingsheimen; ein TV-Sternchen, dass die neue Margarete Schreinemakers werden will.
Die naiven TV- und Mode- Menschen wagen mit ihr als Frontfrau ein ausgedehntes Fernseh-Special aus dem größten Flüchtlingslager der Welt. Die Einschaltquoten schießen in die Höhe und Millionen von Menschen nehmen wochenlang am wahrhaftigen Geschehen im Flüchtlingslager teil. Doch kann das Team einfach wieder abreisen, nachdem ein Millionenpublikum den Alltag dort gesehen hat? Welche verrückten Dingen werden, den in Krisenregionen unerfahrenen Produktionsleuten, noch alles einfallen?
Was wird die Frauenzeitschrift 'Evangeline' darüber schreiben? Und wie kann der Staatsschutz das Schlimmste noch verhindern?

Meinung Wie soll man nun diese prall gefüllte Gesellschaftssatire beschreiben? 
Wer das liest, bekommt eine treffende und groteske Satire, bei der jeder Satz sitzt und die böse realistische Stimmung einem von hinten den Nacken hinaufkriecht. Eine Satire, die auch unsere eigene Selbstgefälligkeit unter die Lupe nimmt, dabei aber nicht belehrt, sondern köstlich unterhält!

Ich bin ja keine typische Hörbuch-Konsumentin, aber ich habe bei diesem Buch mal hineingehört und bin gleich total überzeugt!
Das Hörbuch wird von Christoph Maria Herbst gelesen, der einfach ein vielseitiger und genialer Sprecher ist  (der Einzige bei dem mir konstantes Zuhören gelingt) und die Beste Wahl für diese Genre. 

Bitte checkt es also unbedingt mal ab, ob das was für euch ist? Ich empfehle das Buch allen, die Satire und Humor mögen sehr!


Caroline



Mittwoch, 25. Juli 2018

Vermählung - die kleine Schwester
von Janes Austens "Stolz und Vorurteil"

"Stolz und Vorurteil" in Zeiten des Bachelors


Es gibt immer wieder Bücher, die sich an das wunderbare Werk von Jane Austen aus dem Jahre 1813 anlehnen. Die gesellschaftliche Relevanz der Themen mag sich zwar verändert haben, aber der Findungsprozess der Heldin ist für Frauen auf der ganzen Welt bis heute bedeutsam. So kommt es, dass auch das jüngste Adaptivwerk "Vermählung" zu (Pride and Prejudice/Stolz und Vorurteil), bereits erfolgreich und international Leserinnen gewinnen konnte.

(c) HarperCollins
In dem Roman "Vermählung" traut sich die Autorin Curtis Sittenfeld etwas, dass ich bis dahin für unfassbar gehalten hätte. Ich meine nicht die Tatsache, dass sie Romanfiguren und Handlung in die Neuzeit transferiert und zudem auf einen anderen Kontinent verfrachtet. Gravierender ist aus meiner Perspektive die Tatsache, dass sie ein literarisch ehrwürdiges Werk, in ein seichtes, verkitschtes Setting umgesiedelt hat und daraus eine so beachtliche runde Sache geworden ist.

Jane Austens "Stolz und Vorurteil" in Zeiten des "Bachelors" neu zu erzählen, hat auf jeden Fall einen Reiz, der vielleicht gerade darin liegt, dass unsere heutige Zeit ein sehr schwieriges Pflaster für all diejenigen ist, die sich eine verbindliche Beziehung wünschen und wahre Liebe suchen. Denn hinter jedem Dating-Portal könnte ja noch eine bessere Partie zu finden sein, so dass fast eine ganze Generation scheinbar nur noch aus herum tindernden Singles besteht.

Gewiss ist es antiquiert, dass Glucken-Mutter (Mrs Bennet) ihren Haufen Töchter gut verheiratet wissen möchte, beinah exotisch..., doch ich wäre unehrlich, würde ich sagen, dass ich mir beim Lesen nicht auch ein Happy End wünsche. Über einzelne Szenen und Inhalte der Autorin lässt sich vielleicht streiten, doch insgesamt ist "Vermählung" ein gelungener Roman, der vor allem von authentischen und greifbaren Charakteren lebt, die der bekannten "großen Schwester" sehr gerecht werden. Trotz der weltberühmten Vorlage, schafft die Autorin einen eigenen, völlig neuartigen Roman, ganz nah an den Themen der heutigen Gesellschaft und berührt dabei Herz- und Seele, ebenso wie einst Lady Austen.

Erwähnenswert finde ich an dieser Stelle auch den Roman "Im Hause Longborn" von Jo Baker. Dieser ist ebenfalls eine "Stolz- und Vorurteil" Geschichte, die sich allerdings in das Hauspersonal versetzt und aus der Perspektive der Dienstmagd Sarah erzählt.

Viel Spass beim Lesen und noch schöne Sommertage

Caroline

Mittwoch, 11. Juli 2018

Buchvorstellung: "Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden"
Genki Kawamura


Inspirierendes Gedankenspiel um die wahrhaftigen Werte im Leben
Der junge Postbote hatte soeben erfahren, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat, als ihm der Teufel erscheint und einen kuriosen Tauschhandel anbietet. Für jeden Tag den er weiterleben möchte, soll eine bestimmte Sache von der Welt verschwinden. Mangels besserer Aussichten lässt sich der sterbenskranke Briefträger auf den Pakt ein. Am ersten Tag verschwinden alle Telefone, am zweiten die Filme usw. „Um etwas zu bekommen, muss man auf etwas anderes verzichten“, war das Prinzip, das ihm schon seine Mutter erklärt hatte. Die gewonnene Zeit und die Auslöschung der Dinge, machen den jungen Mann nachdenklich und er beginnt sich an die bedeutungsvollen Momente in seinem Leben zu erinnern. Mit Hilfe der Freundin und seiner Katze ergründet er, worauf es im Leben wirklich ankommt. An dem Tag als der Teufel alle Katzen verschwinden lassen will, trifft der Briefträger eine überraschende Entscheidung. Der parabolische und anregende Roman des Japaners Genki Kawamura erzählt unterhaltsam, auf weniger als zweihundert Seiten „was im Leben wirklich zählt“. Seine moderne Geschichte ist, trotz des ernsten Themas voller subtilem Humor und thematisiert zeit- und kulturübergreifende Werte und Bilder.

Titel: „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ (Roman)
Autor: Genki Kawamura
Verlag: C.Bertelsmann (23. April 2018)
Übersetzt: Aus dem japanischen von Ursula Gräfe
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten




Montag, 21. Mai 2018

DSGVO - Einige Änderungen

Hallo liebe Blogfreunde und -Freundinnen,

leider tritt am 25.05.2018 die DGSVO in Kraft. Diese neue einheitliche EU Regelung für den Datenschutz bereitet mir Kopfschmerzen und hat leider zur Folge, dass ich manches ändern muss, weil es mit rechtlicher Unsicherheit einhergeht oder in der bisherigen Form nicht DSGVO konform ist.

Allen Nutzern die mir per E-Mail folgen, sei gesagt dass ich diese Funktion in Kürze löschen muss, da es sich hier um eine Newsletterfunktion handelt, die rechtlich nur mit bestimmten Verträgen machbar ist. Ich verstehe zu wenig über die Dienste, die im Hintergrund ablaufen, daher lösche ich diese Möglichkeit mir zu folgen komplett.

Das Gleiche gilt für meine Abonennten via Bloglovin. Die Vernetzung dort ist natürlich möglich, aber das Standard Plug in von Google werde ich zunächst entfernen. 

Der Blog wird in den nächsten Tagen zur Baustelle, das bitte ich hier schon mal zu entschuldigen.

LG

Caroline


Sonntag, 6. Mai 2018

Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

"Die Geschichte der Bienen" ist ein lesenswerter und lehrreicher Roman über die Wichtigkeit von Bienenvölkern für die globalen Ökosysteme und über die fatalen Auswirkungen eines fortschreitenden Bienensterbens.
(c) Random House 

Die ökologische Bedeutung der Bienen ist beträchtlich, sie tragen zum Erhalt von Wild- und Kulturpflanzen und deren Erträgen bei. Sie zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern. Nach der Umweltschutzorganisation Greenpeace liegt die jährliche Bestäubungsleistung weltweit bei rund 265 Milliarden Dollar. Leider wird seit einigen Jahren wird ein zunehmendes Bienensterben beobachtet. (Quelle: Wikipedia)

Wie kam ich zu dem Buch:

Wenn ich mich jetzt frage, warum ich zu diesem Roman gegriffen habe, dann ist die Antwort vermutlich, weil ich mich gefragt habe, warum soll ich mich für Bienen interessieren und was steht da eigentlich drin in diesem Buch über Bienen??

Ich glaube die meisten von uns essen gerne ein leckeres Honigbrot, mögen ein bisschen Honig im Salatdressing oder lutschen bei Halsschmerz ein Honig-Bonbon. Aber die Wenigsten interessiert so eine "Nebensache" ob es den Bienen gut geht oder hinterfragen in ihrem Alltag wie lange es noch Bienen geben wird?

Wenn wir Blaubeeren, Kirschen oder anderes Obst essen, denken wir nicht darüber nach, dass Bienen erst die Blüten bestäuben mussten, damit die Früchte überhaupt wachsen konnten. Tatsächlich wird, von vielen Menschen,  bei der Pflanzenauswahl für den eigenen Garten, vorrangig darauf geachtet, dass niemand der potenziell allergisch ist von einer Biene gestochen werden könnte und dass es am besten auch nicht zu viel unruhiges "Gesumme und Gebrumme" im eigenen Garten gibt.

Unser ökologisches Bewusstsein, ich nehme mich davon nicht aus, ist leider nicht sehr ausgeprägt.

Inhalt

Der Roman erzählt die "Geschichte der Bienen" in drei Handlungssträngen. Die norwegische Autorin verfrachtet ihre Leser zunächst in das Leben der Chinesin Tao, die im Jahr 2098 lebt und arbeitet. Taos Leben ist einseitig, sie arbeitet als Bestäuberin auf einer weitläufigen Birnenplantage, wo sie in den Bäumen vorsichtig von Ast zu Ast klettern muss und mit einem Wedel die Blüten mit mitgebrachten Pollen bestäubt. Taos einzige Abwechslung in der Gemeinschaft im Bezirk 242 sind ihr Ehemann und ihr kleiner Sohn Wei-Wen.

Im nächsten Kapitel geht es in Maryville, Hertfordshire, England 1852 weiter. William ist Familienvater von zahlreichen Töchtern und eines Sohnes. Er ist eigentlich Forscher mit einem Faible für Bienen, sichert das Einkommen seiner Familie aber durch ein eigenes Geschäft für Saatgut und Sämereien. Unterstützt von der seiner Tochter Charlotte nimmt er eines Tages jedoch sein Studium der Bienen wieder auf. 

Aus der Perspektive von Geroge in Ohio im Jahr 2007 erzählt Maja Lunde alles Wichtige über das große und kleine Imker-Business. Alles über die Arbeit, Angst und Leidenschaft, die unmittelbar mit den Bienen verbunden sind. 

Mit dem Schicksal dieser Menschen verwoben ist die "Geschichte der Bienen" und

am Ende haben alle drei Handlungsstränge eine Verbindung, die sie sinnvoll miteinander verknüpft und zu einer Einheit zusammenfügt.

Fazit

Die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde meistert den Wechsel zwischen den Schauplätzen und Epochen mit Hilfe von herausragender erzählerischer Fähigkeit. Ihre Szenen sind plastisch und lebendig und laufen wie ein gut geschnittener Kinofilm vor dem inneren Auge ab. Zugegeben ich bin kein Freund von ständigem Szenenwechsel und ich musste mich relativ lange einlesen, um mich daran zu gewöhnen. Außerdem hadere ich etwas mit den Figuren, die mir quer durch das Buch oftmals sehr ich-bezogen und begriffstutzig bei einem relativ vorhersehbaren Handlungsverlauf vorkommen.

Insgesamt ist der Roman unterhaltsam und informierend in gleichem Maße, ein Buch das kurzweilig genug ist, um es so weglesen zu können, doch irgendwie bleibt die Geschichte stellenweise etwas zu oberflächlich und es fehlen die unglaublichen und überraschenden Momente in dem Buch oder sie haben nicht die Wirkung auf mich. 

Auf der anderen Seite wiederum schafft der Roman ein Thema interessant zu machen, dass nicht häufig zur Sprache kommt, obwohl es von großer Wichtigkeit ist. Ein schönes Buch um sich dem Themas Bienen zu nähern, doch wer genauer Bescheid wissen findet in Fach büchern sicnherlich weiterreichende und detailreichere Ausführungen. 

Abgesehen von ein paar kleinen persönlichen Vorbehalten ist "Die Geschichte der Bienen" ein Muss für alle Naturliebhaber- und Liebhaberinnen unter uns.