Sonntag, 7. September 2014

[Gastrezension] Amerika Plakate - Richard Lorenz

Ihr lieben Leser, 

heute erleben wir eine Premiere bei Buch und Literatur, denn zum ersten Mal darf ich einen Gast-Blogger auf meiner Seite begrüßen. Alexander Mörwald ist ein schreibender und Musik begeisterter Diplomingenieur und außerdem mein Studienkollege an der Freien Journalistenschule in Berlin. Auf seinem Blog "Sound and Letters" widmet er sich allen Arten von guter Musik (Sound) und auch dem geschriebenen Wort (Letters).
Ich freue mich besonders, dass er dazu bereit war, seine Entdeckung "Amerika Plakate", hier zu besprechen. Ich hoffe Ihr habt Freude daran und einen wertvollen Buchtipp mehr auf Eurer Liste! Vielen Dank Alexander Mörwald!
Eure Caroline Schultz


Richard Lorenz – Amerika Plakate


(c) Edition Phantasia

Amerika Plakate ist ein melancholisches, aber auch romantisches Buch über die Liebe, das Leben und den Tod. 

Leibrand versteckt sich als Kind, aus Angst vor dem Vater in einem Schrank, in dem er seine Schrankgeschichten entstehen lässt. Als 11-jähriger trifft er auf einem Jahrmarkt Suzanne. Ein Kuss zwischen den beiden verändert Leibrands Welt. Da Suzanne mit dem Jahrmarkt verschwindet, beginnt er seine Suche nach ihr und fällt dabei durch das Leben.
Er begegnet besonderen Menschen und es geschehen phantastische Geschichten. Da ist zum Beispiel Albert Sterner, der den Teufel beim Wettrennen geschlagen hat und Geschichten in Flaschen sprach. Oder Mathilda, die mit Leibrand zur Schule ging und plötzlich verschwand.
Es gibt Schnee, der nicht schmilzt, Gespenster und Werwölfe.
Bei seiner Suche nach Suzanne begegnet Leibrand dem alten Berender, der als Kind vom Blitz getroffen wurde. Er zeigt Leibrand Brooklyn, wo das Tot sein keine Rolle spielt und wo sich ein Teil der Handlung abspielt. Begleitet wird Leibrand von Brenner, der am Rand der Gesellschaft lebt und Engel sehen kann. Leibrand landet eines Tages in der Psychiatrie, wo er Harvey trifft, einen ehemaligen Postboten, der vergaß die Post auszutragen und seine große Liebe Frenny sucht. Zusammen mit anderen Patienten begeben Sie sich auf nächtliche Ausflüge. Dabei findet Leibrand endlich seine Suzanne wieder.

Amerika Plakate ist kein ganz einfach zu lesender Roman, der ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Es werden viele einzelne Geschichten erzählt, die doch alle irgendwie zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Wenn man sich auf die Welt und die Träume Leibrands jedoch einlässt, dann lassen einen diese nicht mehr los und man möchte  Leibrand auf seinem Weg zwischen München und Brooklyn bis zum Ende begleiten.
Richard Lorenz, der eine starke Affinität zur Musik hat, zitiert an den richtigen Stellen aus Songs von Bob Dylan, Bette Midler, Bruce Springsteen oder Tom Waits, was zur melancholischen Stimmung des Werks sehr passend ist. Literarisch scheint Paul Auster einen großen Einfluss auf den Autor zu haben, da er gleich mehrfach in Amerika Plakate erwähnt wird.

Amerika Plakate ist ein besonderes Werk, das sich positiv von dem zurzeit überwiegend veröffentlichtem Mainstream-Einerlei abhebt. Man muss Joachim Körber dankbar sein, dass er den Mut hatte, diesen Roman als Hardcover zu verlegen. Eine reine E-Book-Version würde nicht passen zu einem Buch, in dem auch Plattenspieler, Radiogeräte und Schreibmaschinen ihren Platz haben. 
Man kann dem Autor nur wünschen, dass möglichst viele Menschen Gefallen an Amerika Plakate finden und dadurch weitere Romane ermöglicht werden.


Erschienen bei kuk, einem Imprint des Joachim Körber Verlags
1.Auflage, März 2014, Hardcover, 276 Seiten

Der Joachim Körber Verlag veröffentlicht mit seiner 1984 gegründeten Edition Phantasia Bücher, die sich in der Welt der phantastischen Literatur bewegen. Um das Spektrum zu erweitern, entstand das Imprint kuk, unter dem Amerika Plakate, der erste Roman des bayerischen Autors Richard Lorenz, erschienen ist. Bisher veröffentlichte Richard Lorenz vor allem Kurzgeschichten. Bereits 1995 erschien der Band „Öffnen auf eigene Gefahr“ und 2013 die E-Book-Serie „Kinderland“.


   

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