Freitag, 24. März 2017

Meisterwerke der Sience Fiction - 1984 - George Orwell

NINETEEN-EIGHTY-FOUR

Auf der Suche nach der passenden Lektüre, da findet das Buch manchmal mich und nicht umgekehrt. Irgendwo schnappte ich auf, dass der Sience Fiction Klassiker "1984" von George Orwell zur Zeit wieder Renaissance hat, was bei der gegenwärtigen weltpolitischen Lage auch nicht verwunderlich ist.

In Deutschland und den Niederlanden bestimmen Konflikte mit dem türkischen Präsident Erdogan unsere Nachrichten. Es bleibt unverständlich wieso Erdogan noch Rückhalt bei seinen Landsleuten findet? Ein Präsident, der Pressefreiheit mit Füßen tritt, Journalisten mit Todestrafe bedroht und in diktatorischer Manier nach immer mehr Macht greift. In den USA regiert indessen ein unberechenbares Staatsoberhaupt - Donald Trump, der lieber "alternative Fakten" anstelle der Wahrheit verbreitet, gegen die Medien hetzt und beim Erlass absurder Einreise-Beschränkungen glücklicherweise an der amerikanischen Gesetzgebung scheitert. Man könnte die Liste fortführen.

'1984' blitzte mich also aus meinem Buchregal an und flüsterte: "jetzt ist es Zeit für mich."

Wir schreiben das Jahr 1984. Der Staat ist alles und der einzelne Bürger nichts.
An einem kalten Apriltag, trifft Winston Smith die brisante und folgenschwere Entscheidung. seinen eigenen Gedanken nachzugehen. Ein schweres Verbrechen im totalitären Staat Ozeanien, wo der große Bruder über alle Menschen wacht, Hüter der einzig gültigen Wahrheit ist, und die Gedankenpolizei jede Übertretung aufdeckt. Winstons Wohnung in der Victory Mietskaserne wird, so wie alle Wohnungen, mittels eines ständig laufenden Teleschirms überwacht, doch es gibt einen toten Winkel, in den er sich zurückzieht, um seine eigenen unangepassten Gedanken in ein Tagebuch einzutragen. Die Welt im Jahr 1984 ist aufgeteilt in drei Superstaaten. Ozeanien ist im Dauerkrieg gegen Eurasien. Ein Krieg, der an fernen Grenzen stattfindet und nur manchmal gibt es Einschläge einzelner Raketen in der Hauptstadt London. Von Zeit zu Zeit ist Ozeanien auch im Krieg gegen Ostasien, doch sobald sich die Bündnisse ändern, wird die Geschichte einfach umgeschrieben und das Ministerium propagiert, dass es niemals anders war, sondern immer schon Krieg gegen Ostasien geführt hat und Eurasien der verbündete Staat war. 
Überall hängen Plakate vom "Großen Bruder", der eine imaginäre Figur ist und es gelten drei Hauptparolen.


Krieg ist Frieden
Freiheit ist Sklaverei
Unwissenheit ist Stärke

Regiert wird der Staat von der Partei, die mittels der vier Ministerien agiert. Im Ministerium für Wahrheit werden alle Nachrichten kontrolliert. Alles Wissen, alle Meldungen, Schulbücher, jegliche Form der Information steuert und manipuliert der Staat. Auch Winston arbeitet im Ministerium für Wahrheit, wo er mittels eines 'Sprechschreibers' Zeitungsmeldungen für eine täglich neu definierte Wahrheit umschreibt und somit die Wirklichkeit Tag für Tag unkenntlicher wird. Auch sprachlich soll den Menschen das Denken abgewöhnt werden.
Kommunniziert wird auf "Neusprech" einer versachlichten und vereinfachten Sprache, die alles überflüssige vermeidet und kontinuierlich die Zahl ihres Wortschatz verkleinert. "Neusprech" soll zur Alltagssprache werden, um differenziertes und detailliertes Denken zu erschweren. 
Winston kann sich an einzelne Momente seiner Kindheit im Krieg erinnern, doch weiß er selbst nicht mehr zu sagen, wann das eigentlich alles angefangen hat und wie es vorher war. Er versucht mit einem alten Mann zu sprechen, der die frühere Zeit noch selbst erlebt hat. Leider ist dieser zu verwirrt, um Winstons Fragen zufriedenstellend zu beantworten.
Auferlegter Volksglaube ist, dass das Leben in der Welt vorher unvorstellbar schlimm düster war und es den Menschen unter der Herrschaft der Partei und der Fürsorge des großen Bruders endlich besser geht. Diese erzwungene Ansicht steht im krassen Gegensatz zu der Wirklichkeit, in der das Essen schlecht, teilweise synthetisch, rationiert und die Lebensbedingungen dürftig sind. Häuser sind baufällig, Flure schmutzig und abgewetzt. Man kann niemanden trauen, nicht dem Freund oder dem Nachbarn. Nicht mal den eigenen Kindern. Das Leben ist durchreguliert wie in bekannten kommunistisch-totalitären Systemen, wobei Orwell in seinem Roman nur einen winzigen Schritt weiter geht. Oder vielleicht ist und war die Wirklichkeit manchmal doch krasser? Die Geschichte und auch die gegenwärtige Welt kennt ihre Beispiele. 

Orwell beschreibt eingehend die beständige Selbstkontrolle der sich Winston unterzieht, um nicht durch einen falschen Gesichtsausdruck aufzufallen und als Gedankenverbrecher enttarnt zu werden.
Oft streift er durch London und macht unbegründete Spaziergänge, sucht nach Antworten auf seine Fragen. Eines Tages nimmt eine junge Frau - Julia - Kontakt mit ihm auf. Das Undenkbare geschieht, die beiden umgehen die Regeln des Systems und werden ein Liebespaar. Doch der große Bruder ist überall und sieht alles. Ich habe jetzt noch vieles weggelassen über das man in Bezug auf den Roman sprechen könnte, doch ich möchte für alle diejenigen, deren Interesse geweckt ist auch nicht zu viel vorweg nehmen.

Orwell hat ohne Zweifel einen sehr bedrückendes, teilweise beängstigendes Sience Fiction Meisterwerk erschaffen, das auch heute noch genau vor Augen führt, wie viel wir zu verlieren haben. Wir leben in Europa und in der westlichen Welt in Frieden, Wohlstand und geistiger Freiheit seit nunmehr 72 Jahren. Das ist das ist gesellschaflich das kostbarste Gut auf dieser Welt - das wir unbedingt erhalten müssen.
Staatliche Gewaltenteilung, sowie Meinungs- und Pressefreiheit sind das existenzielle Fundament für einen Fortbestand dieses Friedens und der persönlichen Freiheit. Wir alle müssen daran mitwirken, das das so bleibt und auch andere Staaten in ihrer Entwicklung zu freiheitlichen Gesellschaften gefördert werden. 

Der Roman "1984" ist ein wichtiger Klassiker, der vieles aufzeigt, der lange und plastisch im Kopf bleibt, die Gedanken anregt und in jedem Fall sehr lohnenswert ist. 

 Caroline Schultz




Kommentare:

  1. Ich hab das Buch vor langer Zeit als Schul-Lektüre gelesen. Aber Deine Vergleiche mit Trump und Erdogan als prominenteste Beispiele machen deutlich, wie hoch aktuell das Thema auch heute noch und immer wieder ist.
    Das Buch steht hier bei mir noch im Regal, und ich glaube, ich höre es gerade zu mir sprechen, dass auch mein Exemplar wieder mal gelesen werden will.

    Danke für's Erinnern.

    LG Gabi

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    1. Hey Gabi, ja das Leben ist nicht so ganz unpolitisch und schlimme Unrechtsregime sollten sich nicht wiederholen. Die Menschen sind doch hoffentlich lernfähig! Der Roman rüttelt auf jeden Fall wach :) und kurbelt entsprechende Gedankengänge an.

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  2. Hallo Caroline,
    ich glaube, dass 1984 wirklich nie an Aktualität verlieren wird. Leider! Ich fürchte, dass wir wieder auf Zeiten zusteuern, in denen Meinungsfreiheit und alle anderen Güter, die unsere Vorfahren so mühsam erobert haben, nicht mehr selbstverständlich sein werden. Ich denke, dass es auf ewig ein Kampf sein wird, diese werte zu erhalten. Umso wichtiger ist es, dass wir alle uns immer wieder vor Augen führen, dass jeder einzelne dafür kämpfen muss.
    Danke für deinen Beitrag zu einem absolut zeitlosen Roman.
    LG
    Yvonne

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  3. Hallo,

    Tolle Rezension! Ich habe das Buch vor Ewigkeiten gelesen und kann mich gar nicht mehr so richtig daran erinnern. Ich bin ein großer Fan von dystopischen Romanen, sollte es vielleicht mal wieder lesen. Danke fürs erinnern.

    LG Sonja Béland

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    1. Danke auch für Deine Rückmeldung. Ja manche Bücher kann man gut öfter lesen. Ich habe während der Lektüre immer wieder mit meinem Mann darüber gesprochen, er kannte es auch aus lang zurückliegender Schulzeit ;-)
      LG

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  4. Huhu!

    Oh ja, "1984" ist im Moment mal wieder viel zu aktuell, wenn man sich die Weltpolitik so anschaut...

    Es ist wirklich lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich habe eigentlich auch vor, es bald mal wieder zu lesen, weil ich sicher nicht mehr alles im Kopf habe. Aber du hast mir einiges wieder ins Gedächtnis gerufen!

    Eine sehr schöne Rezension, ich finde es immer toll, wenn auch mal Klassiker oder ältere Bücher besprochen werden.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Ja Danke für Dein Feedback! Ich schau da gerne mal rein. Eine Kreuzfahrt ist ein interessanter Gedanke :-)
      Beste Grüße

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