Samstag, 22. April 2017

[Rezension] Duft nach Weiss - Stefanie Gregg

(Mit freundlicher Genehmigung von Pendragon)

Danke für die Empfehlung

Der kleine aber feine Bielefelder Verlag Pendragon, liegt in der Nachbarschaft zu meinem Heimatort Gütersloh und das ist einer der Gründe, warum ich gerne ein Buch aus dem Verlagsprogramm besprechen und vorstellen wollte. Auf der Frankfurter Buchmesse empfahl mir eine Mitarbeiterin diesen Titel und ich erhielt das gedruckte Werk als Leseexemplar. Für mich war und ist der Tipp ein Volltreffer. Warum, dass könnt ihr hier genauer erfahren.

Inhalt

In der Hauptgeschichte geht es um das fünfjährige Mädchen Anelija, die sich im Jahr 1975 von ihrer Majka verabschieden muss, denn die junge Mutter "flieht" aus 'Liebesgründen' von Bulgarien nach Westdeutschland und lässt ihre kleine Tochter bei der Oma und der Urgroßmutter zurück. Diese Trennung war endgültig, Besuche nicht möglich, denn die Volksrepublik Bulgarien duldete, während der Ära Schiwkow keine Landesflucht und betrachtete jeden der Ausreiste als Staatsfeind.

Für Anelija ist der Abschied von ihrer Mutter ihre schwerste Kindheitserfahrung, denn auch ihr Vater ist unbekannt. Glücklicherweise bleiben ihr ihre Babas (Großmütter), bei denen sie sehr viel Liebe und Geborgenheit erfährt und so führen sie gemeinsam ein bescheidenes und äußerlich unantastbares, regimegetreues Landleben in der Gegend von Radilovo.

Anlelija geht hier in die Dorfschule und wird häufig von ihren Mitschülern für ihre Mutterlosigkeit gehänselt. Auch Behörden und Funktionäre beäugen ihre familiäre Situation immer wieder kritisch, besonders wenn das Mädchen die Lehrerin fragt warum der Kommunismus der kleinen familiären Landwirtschaft nur Nachteile bringt? Den einzigen Kontakt, den das Kind immer noch zu ihrer Mutter hat, sind die Briefe, die immer mal wieder per LKW-Transport nach Bulgarien geschmuggelt werden. Die Briefe sind auf schneeweißem Papier, heller als Anelija es jemals gesehen hat. Zu Ostern und Weihnachten kommen auch meist üppige Schokoladenpakete von der Mutter.

Das Mädchen beantwortet die Briefe der Mutter meist mit spärlichen Zeilen, denn die Post aus Deutschland ist ihr einerseits heilig, andererseits lösen die Briefe sehr gemischte Gefühle in ihr aus.
Stefanie Gregg erzählt sehr greifbar und gefühlvoll aus diesem einfachen Leben, von Gerüchen und Emotionen, Dingen die nicht ausgesprochen werden, dem Ehrgeiz, mit dem  Anelija durchs Leben geht und von den vielen kleinen Verletzungen und Leiden, die sie erfährt, weil ihre abtrünnige Mutter offenbar ein unsichtbares Makel auf ihr hinterlassen hat, eines dass sie gesellschaftlich stigmatisiert. 
In der Schule lernt sie sehr schnell lesen und ist immer eine der besten Schülerinnen.
Doch es gibt auch Hindernisse: Die sozialistischen Arbeitsdienste sind oft alles andere als Zuckerschlecken und kaum erfüllbar, trotzdem zählen sie in das schulische Bewertungssystem hinein. Anelija muss diese Aufgaben bewältigen, daran führt keine Weg vorbei und ihr Ziel ist es, dass sie nach der Grundschule auch noch das Gymnasium besuchen darf. Die Babas sind eigentlich zu arm, um den Besuch der höheren Schule zu finanzieren, doch schließlich findet sich eine tragbare Lösung, die diesen Wunsch in greifbare Nähe bringt.
Immer wieder begegnet sie Menschen denen sie vertraut und die sie ermutigen ihren eigenen Weg zu finden. Mit Eifer interessiert Anelija sich für alles Deutsche, sie findet Unterstützer und Gegner und lernt leider mit jedem weiteren Jahr in Bulgarien die Grenzen der Meinungs- und Entwicklungsfreiheit in der Volksrepublik Bulgarien kennen. Verzwickte Lebensmomente steigern die Spannung und als Leserin habe ich immer mit der Heldin mitgefiebert. Den Rest lassen ich hier getrost offen. Bitte selber lesen!


Stil und Wirkung

Die Handlung beginnt in einer noch nahen Vergangenheit - für mich also praktisch Gegenwart - im Jahr 1995 und wird in Rückblicken erzählt. Anhand dieser Verankerung im hier und heute wird die Sichtbarkeit der gegenwärtigen Relevanz dieser Einzelgeschichte für unsere europäische Gesamtidentität für den Leser erfahrbar. Außerdem ist die Rahmenhandlung eine zauberhafte romantische Liebesgeschichte, die das Gesamtpaket zusätzlich bereichert. 
Neben dem Verlauf der Haupthandlung wird eine weitere Geschichte vorangetrieben, die sich im zeitlichen Spektrum von 1968 bis 1992 bewegt und die Biografie des regimekritischen Exil-Schriftstellers Georgi Markow nachempfindet. Georgi Markow, der 1978 Opfer des perfiden Regenschirm-Attentats in London wurde. Im Spionagemuseum in Berlin sind hierzu Exponate zu sehen.
Die Erzähl-Ströme, die durchgängig eine angedeutete Verbindung haben und auch zeitgeschichtlich zusammengehören, stehen inhaltlich nebeneinander und die angedeutete Verbindung wird erst ganz am Ende des Buches bestätigt. Diese historische Nebenhandlung ist einer bereichernde Vervollständigung die den Roman aus meiner Perspektive besonders informativ und komplett macht.


Fazit

Die Autorin erzählt mit Leichtigkeit von einem Leben, das alles andere als Leicht war. Gelungen hält sie eine optimistische und zuversichtliche Balance und vermag doch die Realität im ländlichen Bulgarien sehr vorstellbar zu skizzieren. Ich habe jede Seite mit Genuss gelesen, immer in dem Empfinden das dieses Buch tatsächlich ein federleichtes Stück wichtige Literatur ist und mich darüber hinaus sehr sehr spannend unterhält. In Anelijas Leidensmomenten habe ich mit ihr gelitten und gehofft. Oft gerätselt und gebangt wie sie aus den vertrakten Lebensituationen wieder herauskommen kann. Der Roman wirkt sehr authentisch und ich möchte ihn Euch von Herzen empfehlen!
Ein literarisches, kompaktes und sehr gut lesbares Werk, dass man einer großen Leserschaft getrost ans Herz legen kann. Ein Buch zum Reisen und verschenken, für die Handtasche oder eine sonnige Mittagspause.


An den Verlag

Lieben Dank Pendragon Verlag für das wunderbare Leseexemplaar von "Duft nach Weiß" von Stefanie Gregg. Ich habe das Buch aufgesogen und sehr genossen. Die Geschichte ist so zart und leicht erzählt und so wunderbar zu lesen. Stefanie Gregg ist auf jeden Fall eine Autorin, die ich im Auge behalten werde.


Eure Caroline

Kommentare:

  1. Hi Caroline
    Ich habe dir eine Antwort unter deinen Kommentar geschrieben.
    Ich lass das jetzt hier Mal außen vor und wollte es dir nur kurz mitteilen.
    Gruß Nicole

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    1. Liebe Nicole Katharina,
      ich entschuldige mich für das Mißverständnis. Ich habe Dir auch einen Kommentar hinterlassen.
      Dir noch einen schönen Sonntag.
      Viele Grüße
      Caroline

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  2. Hallo,

    alleine vom Cover her, wäre mir das Buch wahrscheinlich niemals ins Auge gesprungen, aber der Name der Autorin sagte mir dann doch was. Ich habe kürzlich "Mein schlimmster schönster Sommer" von ihr gelesen und fand das sehr schön. Der Klappentext von "Duft nach Weiss" klingt auch toll, sodass ich es mir auf jeden Fall nochmal genauer anschauen werde.

    Liebe Grüße
    Diana

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    1. Hallo Bria,
      ja das Cover ist sehr schlicht und dezent. Daher wäre ich ohne Tipp auch nicht drauf gekommen. Aber ich kann mich nur wiederholen, das Buch hat mir viel Freude gemacht.
      LG zurück
      Caroline

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  3. Liebe Caroline,

    danke für die Buchvorstellung. Ich wusste nicht, dass es von dieser Autorin auch noch weitere Bücher gibt. Wollte sie, nach ihrem schönen Roman "Mein schlimmster schönster Sommer" im Auge behalten! Hast du dieses Buch von ihr gelesen? Dieses Buch habe ich jetzt auf meine Merkliste verschoben. Ist das der neueste Roman der Autorin?
    GlG vom monerl

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    1. Hallo Monerl,
      von den Erscheinungsdaten her, ist das was du schon gelesen hast, "Mein schlimmster schöner Sommer" noch neuer. "Duft nach Weiß" ist im Juli 2016 erschienen. Ist aber quasi zeitloser Stoff. Ich werde sicher auch noch mehr von Stefanie Gregg lesen.
      GLG zurück
      Caroline

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  4. Ich weiß gar nicht, was mich mehr freut - diese wundervolle Rezension oder eure netten Kommentare! Vielen Dank und liebe Grüße an alle Leserinnen!
    Stefanie Gregg

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    1. Liebe Stefanie, danke für deinen lieben Kommentar, toll das Du hier vorbeischaust! Darüber freue ich mich ganz besonders. Ich bin froh, das ich durch die anderen Leserinnen von "Mein schlimmster schöner Sommer " gehört habe. Schreibe bitte weiter so schöne Bücher für uns
      Viele Grüße zurück und bis bald
      Caroline

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