Donnerstag, 16. Januar 2014

Tannenbaum Entsorgung auf ostwestfälisch! Poetry Slam zum selber lesen.

Tannenbaum-Entsorgung für Anfänger
oder „Knüt“ auf ostwestfälisch.

Ausflug
Ein Samstag im Januar. Die Familie sitzt (endlich) zufrieden im Auto für den (langersehnten) Familienausflug zur Verwandtschaft.
Ein paar Wohnstraßen von unserem Häuschen entfernt, kreuzen die Tannenbaum-Sammler unseren Weg: „Schau mal, da ist das Trecker-Gespann, das jedes Jahr die Weihnachtsbäume abholt!“ rufe ich meinem Gatten aufgeregt zu. „Warum habe ich nur nicht daran gedacht? Oh nee, dann bleiben wir jetzt auf unserem Nadelgerippe hängen.“ Ich ärgere mich leise. Man müsste eine Haushaltshilfe haben, die so was regeln kann wenn man nicht zu Hause ist.

Die besten Nachbarn der Welt
„Aber wer braucht Hausangestellte, wenn er die besten Nachbarn der Welt hat?“, denke ich leichtfertig. Fix wähle ich die Mobil-Nr. meiner Nachbarin zur Linken:
 „Tuuut – Tuuut – Tuuut – Tuuut“ Niemand erhört mich.
So schnell gebe ich nicht auf und wähle die Nummer von Nachbar Tom (total schräg gegenüber). Diesmal habe ich Glück!
„Hey, Caro! Weihnachtsbaum-Abholung? Ja klar, kann ich das machen. Ich geh mir den Baum mal holen.“
„Super, danke!“ sage ich und freue mich über mein Organisationstalent.
Die Familie legt derweil einen kurzen Zwischenstopp ein und der Familienvater parkt die Familienkutsche direkt vor dem Blumengeschäft. Ich sprinte in den Laden, schnappe mir eine traumhaft schöne Orchidee und bezahle. Während meine Blume noch hübsch verpackt wird, klingelt es rhythmisch aus meiner hinteren Hosentasche:
„Da dam da dam, Da dam da dam, Da dam da dam“.
Die Lieblings-Nachbarin von Links ist am Apparat. Ich erzähle kurz warum ich sie sprechen wollte und dass sich ja jetzt Tom um den Baum kümmert ...bla, bla ... alles erledigt ist.
„Caro, Du bist im Irrtum!“ erklärt mir Ute vom anderen Ende der Leitung:
„Die Weihnachtsbaum-Entsorger“ waren heute schon ganz früh da. Mit einem Bulli, nicht mit einem Trecker!“.
Oh oh, schwant es mir, da habe ich dem hilfsbereiten Tom unser Nadelgerippe wohl grundlos aufgezwängt.
Ich danke Ute für die Info und überlege noch, was ich jetzt als nächstes machen werde.
Bei Tom anzurufen ist mir deutlich zu peinlich.
Also schreibe ich eine WhatsApp:

Hallo Tom! Ich hörte eben von Ute, dass die Tannenbaum Entsorger
schon um 9.00 Uhr da waren!
Es hat sich also erledigt! DANKE x

OK, ich bringe Euch den Baum wieder zurück. x

Nein, Behalt ruhig.;-);-)

                   Den Wiggel mache ich wieder gut :-)

Organisationstalent
Ich entspanne mich und wir sausen weiter über die Autobahn.
„Da dam da dam, Da dam da dam“. klingt es diesmal aus meiner Handtasche, ich wühle bis ich das Mobilfon habe und melde mich hektisch:
„Hallo Carolineee...“ erwidert eine freundliche Vertreterstimme auf der anderen Seite. Hallo Wolli, begrüße ich den Ehemann meiner Nachbarin Ute. „Sag mal Carolineee, wo habt ihr denn Eure Palme?“
Keine Ahnung? denke ich, woher soll ich das wissen. Ich bin doch hier im Auto. Und wer weiß ob Tom den Baum zurückgebracht hat? Ich zögere…und Wolli spricht weiter:
„Du hör mal, ich kenn den Bullifahrer doch vom Fußball, da kann ich ja noch mal anrufen, dann kommen die ein zweites Mal und holen Eure Palme?! Wo liegt die denn?
„Eigentlich hinter dem Schuppen,.. aber es kann sein, dass der Baum schon bei Tom ist. Der wollte sich ja um unser Nadelgerippe kümmern…“ stottere ich mir zusammen und ich schäme mich immer mehr dafür, die halbe Nachbarschaft mit unserem Weihnachtsbaum zu belästigen. „Wenn er dort nicht mehr liegt, dann hat es sich erledigt.“ erkläre ich Wolli nachdrücklich und hoffe, dass es auch so ist. Zur Sicherheit schicke ich  noch eine WhatsApp an seine Frau Ute:

Macht Euch bitte nicht so viel Mühe mit unserem Tannenbaum!
Wir fahren dann die Tage mal zum Kompostwerk. LG Caro


Die Macht des Feuers
Zwanzig Minuten später sind wir bei der Verwandtschaft eingetroffen. Begrüßung; Küsschen, Küsschen, Lecker Mittagessen, Gute Unterhaltung, Kinder spielen…..zwanghaft mal aufs Handy gucken....Ahhh da ist mir doch eine Nachricht entgangen.

WhatsApp von Tom
Ich arbeite an einer neuen Lösung. Mach ich gern!

Au Backe! Was heißt das? Ich dachte die Mission „Knüt“ wäre verschoben? Ich entscheide mich die Situation auszusitzen. „Pling, Plong, Pling“ höre ich noch mal und schaue nach:

WhatsApp von Tom
Baumentsorgung erledigt. Alles zerkleinert. Wird ein Feuerschalenopfer.

Ich schreibe zurück:

Danke xxxx

Das ist wohl eine akzeptable Lösung denke ich bei mir. Das Nadelgerippe kann an Ort und Stelle entsorgt werden. „Pling, Plong, Pling“ macht es schon wieder:

Wann seid Ihr wieder zurück? Lust auf Feuerschale mit Grillen?

Unglaublich!!! Jetzt bekommen wir auch noch eine Einladung zum Grillen!!! Das kann man in diesem Fall wohl nicht ablehnen? Eine richtig tolle Idee, finde ich und stimme schnell zu. 
Die Familie verbringt noch einen schönen Nachmittag, bevor wir Richtung Heimat zu einem gelungenen Grillabend aufbrechen: Das Tannenbaum Abgrill-Fest wird (trotz schlechter CO² Bilanz) ein echter Erfolg und am Ende des Tages riechen beide Familien gleichmäßig nach verbrannter Nordmanntanne.

Nächsten Samstag hätte ich dann Lust auf Sperrmüll, auch ein Fest für die ganze Nachbarschaft! Alternativ dann mit Heißwürstchen und Kartoffelsalat. :)


Derweil hält Irgendwo in einem familienfreundlichen Wohngebiet ein Treckerfahrer: „Entschuldigung, hier soll noch ein Tannenbaum abgeholt werden??“ „Ich habe hinter dem Schuppen schon nachgesehen, wo liegt der denn?“







Kommentare:

  1. hehehe....sehr lustig liebe Caro! Der Geruch war auch in unseren Nasen, aber so ist das wohl in einem familienfreundlichem Wohngebiet ;)

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