Freitag, 10. Januar 2014

Caro's Quickies - Kurze Buchkritik

Liebe Leser,

mein literarischer Speiseplan ist manchmal sehr gemischt und besteht nicht immer nur aus Neuerscheinungen. Den einen oder anderen Buchtitel gibt es schon länger und wurde auch schon viel besprochen. Kein Grund, um nicht doch noch einmal ein paar Worte darüber zu verlieren. Geografisch-literarisch bewegen wir uns diesmal zuerst nach Südafrika, anschließend Deutschland und den Abschluss macht Irland.





Viel Vergnügen.


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Absolution (August 2013)  -  Patrick Flanery


Ein junger Journalist kehrt nach langer Zeit in seine Heimat Südafrika zurück. Er will an der Biografie einer bedeutenden südafrikanischen Schriftstellerin arbeiten. Beide sind sich schon einmal begegnet und Ihre Vergangenheit verbindet sie. Doch die Autorin will das nicht zugeben. Vorsichtig versuchen sich  Sam und Clare gegenseitig Informationen zu entlocken um die Lücken in Ihren eigenen Lebensgeschichten zu schließen.

Südafrika ist ein Thema, dass nach dem Tode Nelson Mandelas wieder stärker in den gesellschaftlichen Fokus gerückt ist. Der Umbau der Gesellschaft ist noch lange nicht abgeschlossen, wie die Leserschaft von Patrick Flanery auch in seinem Roman Absolution erfahren kann. Der Autor spielt mit Gegenwart und Vergangenheit und wagt Rückblicke in die Zeit der Apartheid. Durch die Augen der Hauptfiguren nimmt der Leser dabei einerseits eine distanziert beobachtende Haltung ein, andererseits ist er unmittelbar involviert. 

Ein Werk das auf jeden Fall in die Literatur-Ecke gehört aber dabei wirklich sehr gut lesbar und auch spannend geschrieben ist.
Caroline Schultz




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Tschick (Feb.2011)  -  Wolfgang Herrndorf


Der 14-jährige Maik Klingenberg ist ein totaler Außenseiter und so unauffällig, dass selbst seine Schwärmerei für die Klassenschönheit Tatjana unentdeckt bleibt. Als Einziger wird er nicht zu Ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Ebenso wenig wie Tschick, der russische Immigranten-Junge aus der Hochhaussiedlung. Tschick ist neu in der Klasse, ein 'Asi' und Maik kann ihn nicht leiden. Doch irgendwie ist Tschick auch cool und mit Beginn der Sommerferien steht Maik vor einer Entscheidung, soll er den Sommer allein in der elterlichen Villa verbringen? Oder soll er mit Tschick in einem geknackten Lada auf eine abenteuerliche Reise in die Walachei starten? Seine Mutter kuriert sich derweil in einer Entzugsklinik und sein Vater ist auf Geschäftsreise, so kann niemand die Jungs stoppen, als sie das Auto mit dem Nötigsten für Ihren irrwitzigen Roadtrip beladen, um Ihre ganz eigene Idee von Urlaub zu verwirklichen.
Das Buch erschien bereits 2010 und wurde mit zahlreichen Preisen (Jugendliteraturpreis 2011, Brentanopreis, Hans Fallada-Preis, Preis der Leipziger Buchmesse)  überschüttet und von der Presse gefeiert. Der Roman hat in der Tat jedes Lob verdient, die Handlung ist greifbar, megalustig und ein ganz ganz großes Ereignis. Eine absolut liebenswerte Geschichte über zwei sehr unterschiedliche Heranwachsende, die ihre Gemeinsamkeiten und richtige Freundschaft entdecken.
Es mag kaum Menschen geben, die Tschick noch nicht gelesen haben, für den Fall, dass es doch irgendwer versäumt hat, wird es höchste Zeit das nachzuholen! Ein unverzichtbares Buch.
Caroline Schultz

Lebenslauf Wolfgang Herrndorf
Blog Wolfgang Herrndorf

Wolfgang Herrndorf hat sich am Montag, den 26. August 2013 gegen 23.15 Uhr am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen.

Herrndorf war 2010 unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt.
Sein Tagebuch ist nun unter dem Titel: Arbeit und Struktur beim
Rowohlt Verlag erschienen.



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Nichts für Anfänger (August 2013) - Kevin Maher


Zu Anfang dachte ich, dieses Buch kann ich überhaupt niemandem empfehlen, weil es so gnadenlos "Kein Blatt vor den Mund" nimmt. 

Kevin Maher erzählt erbarmungslos und ungeschönt, die Geschichte des adoleszierenden Jim Finnegan, in einem total rückständigen Irland der 80er Jahre. Jim hat fünf Schwestern und auch sonst ist sein Leben voller Schwierigkeiten und Katastrophen. Ein pädophiler Priester macht ihm das Leben zur Hölle, sein Vater erkrankt schwer, seine erste große Liebe gerät in eine aussichtslose Krise. Aber dies ist die Geschichte von Jim Finnegan, der sich nicht unterkriegen lässt. Egal wie unbarmherzig ihn das Schicksal erwischt, es gibt immer eine Wendung die es möglich macht, dem Leben die wahrhaftigen und schönen Seiten abzuringen.

Kevin Maher erzählt das alles auf eine tragikomische Weise welche den Leser anrührt und noch lange nachhallt. Ein wirklich schönes Buch für alle Leser, die sich gerne auf wendige, skurrile Romane einlassen und vor klaren Ausdrucksweisen nicht zurückschrecken.
Caroline Schultz

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