Moosland / Katrin Zipse
Im Jahr 1949 heuert die junge Elsa als Landarbeiterin auf einem abgelegenen Bauernhof in Island an, so wie ca. 300 weitere Frauen aus Deutschland. Sie ist eine von vielen, die aktiv angeworben wurden, um ein Jahr auf den Bauernhöfen des Landes zu arbeiten. Die harte Arbeit auf dem abgelegenen Land ist eine Herausforderung und gleichzeitig eine Chance, quälenden Erinnerungen zu entkommen. Die Traumata des Krieges und ihre persönlichen Verluste wiegen so schwer, dass Elsa nicht mehr sprechen will, darum bleibt sie stumm in der fremden Umgebung ihrer zugeteilten Familie, deren Sprache sie ohnehin nicht versteht.
Mit großer erzählerischer Kraft beschreibt Katrin Zispe nicht nur das Leben, den Alltag und die Zerrissenheit ihrer Heldin. Sie nimmt uns mit in die einfachen Formen der Verständigung, die Irrtümer, die Fremdheit in diesem fernen Land und zu der harten, nie enden wollenden Arbeit.
Die Familie besteht aus dem Bauern, seiner Frau, zwei Söhnen und einem Knecht. Ohne viel Gewese oder Getue nehmen sie die junge Frau in ihrer Mitte auf. Elsa, die allerlei Ängste durchlebt, dabei kein Wort spricht und offenbar Mühe hat, sich einzugewöhnen, erlebt einige Rückschläge. Doch zwischen all der Sprachlosigkeit und der täglichen Arbeit, der Erfüllung verschiedenster Aufgaben, fasst Elsa allmählich mehr Vertrauen und lernt ihre Familie durch Zusammenarbeit sowie Beobachtung besser kennen. Sie meistert zunehmend schwierige Aufgaben und lernt sogar reiten. Die Söhne Skuhli und Ólafur sind etwa in ihrem Alter, haben jedoch sehr unterschiedliche Charaktere. Einmal findet Elsa ein Foto von der kompletten Familie und erkennt darauf eine weitere junge Frau, von der allerdings niemals jemand spricht. Elsas Interesse ist geweckt. Schrittweise versucht sie zu verstehen, wer dieses Mädchen war und was mit ihr geschehen ist.
Meinung:
Die Autorin beschreibt so lebendig und packend, dass Ort und Zeit problemlos vor dem inneren Auge aufleben. Der Duft grüner Wiesen bei der Heuernte, die kühle Frische klarer Bergbäche, das Blöken der Schafe im Pferch. Spielend erzeugt sie filmreife Bilder im Kopf, sodass die Lektüre selbst zu einer Reise wird, weit weg, in das Island einer früheren Zeit. Als Leserin war ich gefesselt von der klaren Sprache, den zunehmend spannenden Entwicklungen, den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen.
Fazit:
Mit jeder Seite habe ich es mehr genossen, mich aus der Wirklichkeit auszuklinken und Elsa in ihren Gedanken und ihrem Handeln zu folgen sowie das Verhalten der Familie zu beobachten. Ich kann nicht genau sagen, ob es die metaphorischen Passagen sind, die eindrücklichen Arbeitsbeschreibungen, die Landschaftsbilder oder die Sprache im Allgemeinen, die mich beim Lesen aufleben lassen. Vermutlich ist es alles zusammen, die gesamte Erzählung, die eine innere Ruhe und Kraft vermittelt, sodass diese mir besonders angenehme und schöne Lesestunden beschert hat. Ich möchte mich bei der Autorin ganz herzlich bedanken für diese wunderbare, fremdartige und lehrreiche Zeitreise. Ein im besten Sinne ungewöhnlicher Roman, der in mir sicher noch lange nachhallen wird.
Danke an den Dumont Verlag für das Leseexemplar. Meine volle Empfehlung für alle, die spannende und gleichzeitig ruhige Geschichten mögen.
5 Sterne
Beste Lesegrüsse
Eure Caroline

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