Sonntag, 26. Juni 2016

Kurz und Gut - Carolines Bücher-Quickies

Sunset Park - Paul Auster


(c) Rowohlt
Ich muss gestehen, dass ich keine besondere Paul Auster Kennerin bin, weshalb ich eine Einordnung dieses Romans in Paul Austers übriges Werk schuldig bleibe. Doch der Name Paul Auster war mir immer so geläufig, dass ich schließlich dieses Buch wahllos aus allen rausfischte, auf meinem Tolino begann und nicht mehr loslassen wollte. 
Miles Heller, Sohn eines Bostoner Verlegers ist der zentrale Charakter in dieser Geschichte rund um vier junge Menschen, die während der amerikanischen Wirtschaftskrise ein verlassenes Haus im New Yorker Stadtteil Sunset Park besetzen. "Greifbarkeit" ist das Lieblingswort von Bing Nathan, der in seiner Werkstatt alte und unmoderne Gegenstände repariert und die gemeinsame Hausbesetzung initiiert. Seine Freunde und Mitbewohner sind Studentin und Weltverbesserin Alice Bergström, sowie Malerin Ellen Brice  und der menschlich gescheiterte Miles Heller. Im wesentlichen geht es um die sehr unterschiedlichen Leben dieser vier Freunde und ihrer Angehörigen. Jeder wird einzeln und im Kontext seiner sozialen Beziehungen beleuchtet. Alle haben Sorgen, Schuldgefühle, Defizite, soziale und persönliche Schwierigkeiten. Aber auch Potentiale und Stärken, die sie im Laufe der beschriebenen Periode entdecken, freilegen und entwickeln. Die Wirtschaftskrise hat nicht nur die Protagonisten dieses Romans hart getroffen, somit schlüsselt Paul Auster seinen Lesern auf, dass trotz langen, trostlosen Durststrecken und aller menschlicher Schwäche am Ende eine Lösung für jeden Individualfall möglich ist. Problemlösungen gibt es nicht ohne Mühe und Blessuren, doch es gibt Hoffnung auf Versöhnung und Neubeginn. 
Stilistisch funktioniert dieser Roman ganz anders als die meisten Bücher, denn jeder Charakter ist aus
einer allwissenden inneren Perspektive beschrieben. Jedes Kapitel aus der Wahrnehmung einer anderen Person.
Paul Auster mischt amerikanische Footballphilosophie in die Reflexionen hinein, nimmt Anlehnungen an die klassische amerikanische Literatur vor und schafft ein rundes Gesamtwerk.
Die nuancierte Ausgestaltung der Charaktere, die so erzeugt wurde hat mich im positiven Sinne sehr mitgenommen. Ein tiefsinniger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.



Gefährliche Geliebte - Haruki Murakami

"Südlich der Grenze. Westlich der Sonne" (Originaltitel)


(c) Random House
Der Roman aus dem Jahr 1992 des Weltklasse-Autors ist unzählige Male rezensiert und besprochen worden. Ein Buch, um das bereits im ehrwürdigen Literarischen Quartett mit Eifer gestritten wurde.
Ich könnte auf eine Äußerung verzichten. Doch ein kurzer Abriss muss sein, einen Murakami will ich keinesfalls einfach unter den Teppich kehren.
Der Ich-erzählende 12jährige Hajime beschreibt Erfahrungen seiner Kindheit und wie er dabei der gleichaltrigen Shimamoto begegnet und sich zum ersten Mal auf zurückhaltende Weise verliebt.
Beide sind Einzelkinder, haben ein inneres Verständnis füreinander und gemeinsame Vorlieben.
Durch Schulwechsel verlieren sich die Schulkinder aus den Augen und Hajime fehlen Mut und Impuls den Kontakt wiederherzustellen. Hajime wächst heran: Als junger Mann hat er eine Freundin und als Student macht er weitere sexuelle Erfahrungen. Seine Jugendfreundin vergisst er niemals vollends, sondern der Wunsch sie zu treffen spült immer wieder an die Oberfläche seines Bewusstseins.
Sein Erwachsenen Leben lebt er schließlich finanziell abgesichert mit Frau und Kindern. Er ist erfolgreich und hat sich seinen Traum von einer eigenen Bar verwirklicht. Eines Tages taucht Shimamoto in der Bar auf. Sie ist immer noch wunderschön, begehrenswert und von einer geheimnisvollen Aura umwebt. Sie erneuern ihre Freundschaft, sprechen viel und doch kann Hajime nicht hinter Shimamotos Fassade blicken. Mehr und mehr verkörpert sie die geheimnisvolle Verlockung der er nicht habhaft werden kann. Sie wäre für Hajime nicht nur ein Abenteuer, sondern das personifizierte Unerreichte, das er in seiner immer gleich klingenden, mittlerweile faden Welt sucht. Gefühle von Sehnsucht, Liebe und alter Schuld schütteln den armen Hajime ziemlich durch und die Dinge nehmen ihren Lauf. Die Ereignisse führen aber zu einem sehr reflektierten Ende.
Murakami ist ein sprachlicher Großmeister, der filigran und ausführlich erzählt, Gefühle und Momente verwandelt er wie ein Zauberer in treffende Vergleiche und Metaphern die fließend in die Fantasie des Lesenden hinübergleiten.
Ein grandioses Buch über die zerstörerische Seite der Liebe, die Unfreiwilligkeit von Gefühlen und die Waagschale der Vernunft als Gegenbalance. Dieser Roman gehört auf jeden Fall mit auf meine persönliche Topliste.

Viel Spaß, was immer Du liest!
Deine 


Caroline



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